AFKDO Haag drucken interner bereich
 
wappen

 

Gasaustritt in Erla bei Tiefenbohrung!

Erstellt von Freiwillige Feuerwehr Erla am Dienstag, dem 26. Juli 2011


25.07.2011:
Beim Fertigen einer Tiefenbohrung für die Errichtung einer Erdwärme stießen die Mitarbeiter der Bohrfirma Rigler auf eine ungewöhnlich große Gasblase, vermutlich Methangas. Ein Gas – Wassergemisch trat aus dem Bohrloch und dem Spülschlauch für den Abraum aus.
Sie verständigten die Feuerwehr! >> 14:00 Uhr.
Zufällig war ein EVN Mitarbeiter wegen eines Termines anwesend, er hatte ein Gasmessgerät dabei und er konnte eine Gaskonzentration bis zur „Unteren Explosionsgrenze“ (UEG) feststellen. Die Siedlung wurde ausreichend groß abgesperrt.  Vom EVN Mitarbeiter wurden weitere Spezialisten von der EVN angefordert, von der Feuerwehr wurde der Schadstoffzug St. Valentin informiert.  Der Kommandant vom Schadstoffzug beriet sich sofort mit Herrn Dattinger vom Schadstoffberatungsdienst. Weiters wurde Hr. Bürgermeister Bscheid verständigt. Die Feuerwehr Erla begann unverzüglich mit dem Aufbau einer Löschleitung und stellte Hydroschild und Tempexlüfter bereit.
Die zuerst eintreffenden Gasspezialisten von der EVN unter der Leitung von Hrn. Franz Haiden fertigten ein Meßprotokoll an und schalteten das bereits bewohnte Haus Apfelweg 2 und die beiden Rohbauten stromlos.  Die einzige betroffene Bewohnerin der Siedlung, verließ nach Messungen und Besprechungen durch die EVN Spezialisten das Haus.  Bürgermeister Bscheid und der Schadstoffzug trafen ein. Es wurde sofort versucht, die Bezirksbehörde zu verständigen, was aber nicht auf Anhieb gelang.
Der Schadstoffzug begann seine Erkundigungen und Messungen und beide Expertengruppen kamen zu dem Ergebnis, Austritt von einem brennbaren Gas aus dem Bohrloch und dem Spülschlauch mit mindestens 100% der UEG (Untere Explosionsgrenze), im weiteren Umfeld je nach Windsituation geringe bis keine Konzentration. Das Gas steigt gerade auf und verflüchtigt sich. Von Seite der Bohrfirma und den Landesbehörden gab es den Auftrag, das Bohrloch zu verschließen, die Bohrfirma stellte die notwendigen Geräte bereit. Inzwischen traf das Team des Schadstoffberatungsdienstes mit seinem Mitarbeiter und Messgeräten ein.
Die gemeinsamen Beratungen der Spezialkräfte, Gasspezialisten EVN, Schadstoffzug St. Valentin, Schadstoffberatungsdienst, Abschnittsfeuerwehrkommandant und der Bohrfirma ergab, dass bei der derzeitigen Lage keine Maßnahmen zum Schließen der Bohrung getroffen werden können. Denn dazu hätte das Bohraggregat mit einem Dieselmotor, unmittelbar neben den Gasaustrittsstellen gestartet werden müssen und das Gestänge aus dem Bohrloch (in 127m Tiefe) gezogen und mit einem Dichteinsatz wieder eingeführt werden müssen. Für die Abdichtung sind weitere Spezialisten notwendig. Ein Absperrbereich wurde genau definiert, von der Feuerwehr abgesperrt und gesichert.  >> 18:00 Uhr.
Nun begannen die weiteren Gespräche mit Bezirkshauptmannschaft (Mag. Stöger), geführt von BGM Rudolf Bscheid. Folgendes weitere Vorgehen wurde vereinbart: Die durchführende Bohrfirma wird die Bohrspezialisten von der OMV zum Abdichten beauftragen. Das wird erst am nächsten Tag möglich sein, bis dahin soll das Gas im abgesperrten, gesicherten Bereich ausströmen. Die Feuerwehr Erla überwacht diesen gesperrten Bereich während der Nacht und führt zum Beobachten der Lage stündlich Gasmessungen durch. Für die Bevölkerung von Erla bestand seit dem Einstellen der Bohrarbeiten und seit den Sicherungsmaßnahmen keine bedrohliche Gefahr! Aber ab ca. 21:00 Uhr startete ein für dieses Ereignis unvermuteter Medienansturm, zahlreiche Reporter, angefangen vom ORF bis zu vielen Tageszeitungen trafen ein, befragten die Einsatzleitung, die anwesenden Herren vom Abschnittsfeuerwehrkommando, BR Fuchsberger, ABI Hirtenlehner und FT Draxler. Stündlich wurde in den Medien über das Ereignis berichtet.
26.07.2011:
Laut dem gestern vereinbarten Plan ging der Einsatz weiter. Die nächtlichen Messungen der UEG zeigten keine Veränderung der Lage und so wurde die auf Abruf bereitstehende OMV von der Bohrfirma beauftragt. Um 9:00 Uhr traf Herr Sackmayr, Leiter des Bohrbetriebes der OMV ein und erkundete die Lage. Zu diesem Zeitpunkt war auch schon die OMV Mannschaft mit ihrem schweren Gerät unterwegs nach Erla. Um 11:30 trafen die 2 riesigen LKW der OMV in Erla ein, beim Anblick der Spezialisten der OMV hatte man kurz den Eindruck im Film Armagedon zu sein! Es erfolgte ein schwieriges Positionieren der Fahrzeuge durch die engen Straßen und die beengten Platzverhältnisse am Einsatzort! Ein Spezialmischfahrzeug und ein mächtiges Pumpenfahrzeug wurden positioniert, dazu kamen zeitweise 2 LKW vom Lagerhaus, einer mit Kalium, der andere mit Betonwerkstoffen. Das OMV Equipment wurde angeschlossen und das verdichtete Wasser aufbereitet. Ab ca. 12:00 Uhr wurde begonnen das Bohrloch abzudichten. Das Wasser – Kaliumgemisch wurde durch das Bohrgestänge in die Bohrung eingebracht. Bereits die 2. Charge dieses Gemisches zeigte Erfolg und das ausströmende Gas wurde aufgrund der hohen Dichte dieses Wasser – Kaliumgemisch gestoppt. Sozusagen „Gas aus“ um 12:50 !!  Nach mehreren Messungen, die den Stopp des Gasaustrittes bestätigten, konnte die Bohrmaschine der Firma Rigler in Betrieb genommen werden und beim gleichzeitigen Abbau des Bohrgestänges wurde ein durch die OMV aufbereitetes Betonit, ein naturnaher Werkstoff, durch das Gestänge eingepumpt. Die letzten 70 Meter bis „TOP“ wurden mit Zement verbetoniert! Ende des Verschließens um 17:37 Uhr!
Eine große Erleichterung ging durch alle mitarbeitenden Kräfte und der zahlreich anwesenden Presse konnte mitgeteilt werden, dass die Gefahr nun gebannt war. Diese Medienpräsenz, vom Sendewagen des ORF, Kamerateams der weiteren österreichischen Sender und Journalisten fast aller Tages- und Wochenzeitungen waren anwesend, war für unsere Feuerwehr ein neuer Eindruck und wir waren neben der Einsatztätigkeit stark gefordert, ihre zahlreichen Anfragen zu befriedigen. Unser kleines St. Pantaleon – Erla stand für 2 Tage im Mittelpunkt!
Nun aber rückten die Spezialisten von der OMV wieder ab und wir konnten unsere Geräte räumen!
Wir sind froh dieses Ereignis gut überstanden zu haben. Rückblickend können wir sagen, es lief alles laut Plan und ohne unerwünschte Zwischenfälle ab! Wir konnten diesen ungewöhnlichen Einsatz nur durch das Nutzen der aufbauenden, übergeordneten Feuerwehrstruktur und deren Zusammenarbeit bewältigen! Wir möchten allen diesen Beteiligten für die Mitarbeit danken! Allen voran, den Kameraden der Feuerwehr Erla, sie haben professionell, engagiert  und unermüdlich 27 Stunden eine tolle Arbeit geleistet! Danke an das Abschnittsfeuerwehrkommando, allen voran BR Fuchsberger, ABI Hirtenlehner, FT Draxler und BSB Philipp Gutlederer. Danke an BGM Rudolf Bscheid, der ständig präsent das weitere Vorgehen und die Abstimmung mit den Behörden koordinierte! Und nun zu den wichtigsten: Danke an die Gasspezialisten von der EVN unter Hrn. Franz Haiden, dem Schadstoffzug St. Valentin, dem Schadstoffberatungsdienst mit Hrn. Dattinger und vor allem dem Spezialistenteam der OMV unter Hrn. Sackmayr, die schließlich den Spuck beendeten!

V  Haider Gerhard
Einsatzleiter

Angehängte Bilder




Zum Steckbrief der Feuerwehr
Zu den Berichten der Feuerwehr